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Interview von Birgit Tragesser mit Zappa

Birgit Tragesser (Betreuerin):
Seit wann bist du im Betreuten Wohnen?

Zappa (Der Name des Klienten wurde geändert):
Seit knapp 4 Jahren - mit einem Betreuerwechsel.

Birgit Tragesser:
Wie war der Wechsel für dich?

Zappa:
Schwierig. Ich bin sehr misstrauisch. Am Anfang habe ich nicht geglaubt, dass es funktioniert. Es bestand schon ein Vertrauensverhältnis - eine Art Freundschaft. Der Abbruch kam unvorbereitet und hat mich aus dem Konzept geworfen.

Birgit Tragesser:
Du hast dann doch weitergemacht.

Zappa:
Ja, weil ich dachte, dass es notwendig für mich ist.

Birgit Tragesser:
Notwendig? Wofür?

Zappa:
Um Erkenntnisse zu erlangen – und mir euer Wissen zu Nutze zu machen; um Probleme zu lösen und mit schwierigen Situationen klar zu kommen. Ich bin viel alleine. Dabei verlernt man Kontakt zu Anderen aufzunehmen. Es war mir sehr wichtig wieder kommunikativ auf Leute zuzugehen. Außerdem musste ich mich nicht verstellen. Ich kann mich so geben wie ich bin und werde auch so akzeptiert wie ich bin.

Birgit Tragesser:
Das Miteinander-Sprechen hat einen hohen Stellenwert für dich?

Zappa:
Ja, auch über Dinge, über die ich sonst schweigen würde oder mich nicht traue zu reden.

Birgit Tragesser:
Kannst du ein Beispiel nennen?

Zappa:
Ja, meine Aggressionen. Ich hatte Angst missverstanden zu werden und als „gefährlich“ eingestuft zu werden. Darüber konnte ich einiges rausfinden in den Gesprächen – es wurde darauf eingegangen, hinterfragt.

Birgit Tragesser:
Wofür kannst du das Betreute Wohnen noch nutzen?

Zappa:
Ich erfahre viel über mich selbst. Ich habe gelernt mehr zu verstehen warum ich süchtig wurde. Das hatte Gründe für mich. Ich bin da reingeflüchtet um mir Erleichterung zu verschaffen - weil ich nicht klar kam in meinem damaligen Leben.

Birgit Tragesser:
Lebst du jetzt drogenfrei?

Zappa:
Ja, absolut – außer Tabakgenuss. Ich bin jetzt noch substituiert mit 30 mg und will bis spätestens nächstes Frühjahr damit abschließen. Dann wäre ich ganz frei von betäubenden Mitteln.

Birgit Tragesser:
Ist das ein Ziel von dir?

Zappa:
Ja, das ist das Ziel überhaupt.

Birgit Tragesser:
Wäre dann das Betreute Wohnen für dich beendet?

Zappa:
Nein, ich weiß ja nicht wie ich mit dem Nüchtern-Sein klar komme. Das ist eine ganz neue Erfahrung. Als 16-Jähriger bin ich mit Drogen in Kontakt gekommen und seither nicht mehr „nüchtern“ gewesen. Das ist für mich Neuland und verunsichert mich auch.

Birgit Tragesser:
Was erhoffst du dir?

Zappa:
Wenn ich Probleme habe - dass ich Hilfestellung erhalte, um das in Griff zu bekommen. Das „Darüber-Sprechen“ ist sehr wichtig- dass ich die Probleme auf den Tisch lege und lerne, mich den Anforderungen des Lebens zu stellen und sie nicht auf die Seite zu schieben.

Birgit Tragesser:
Das könntest du nicht mit Freunden oder deiner Partnerin machen?

Zappa:
Das ginge nicht, weil die Erfahrungswerte nicht vorhanden sind. Das lässt sich schwer vermitteln. Da brauche ich schon jemanden, der vertraut ist mit der Materie Sucht. Sucht ist etwas sehr persönliches und jeder geht damit anders um. Es geht dabei nicht um Tipp., Davon habe ich genug bekommen. Ich bin gegen die Wand gelaufen und musste mich entscheiden und mir gegenüber ehrlich sein. Dabei brauche ich jemanden, der mir zuhört und auch Zeit gibt  anstatt auf mich einzureden. Ich fühle mich gut aufgehoben und akzeptiert. Ich habe das Gefühl als Mensch gesehen zu werden und nicht als „Abfallprodukt“ der Gesellschaft. Meine Probleme mit der Sucht werden ernst genommen.

Birgit Tragesser:
Ich danke dir für das Gespräch.

 
 
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